Präsentation des Kunstwettbewerbs „ErinnerungsRÄUME Hersbruck“

vom 14.05. bis 24.07.2022 im Deutschen Hirtenmuseum Hersbruck

Aufgrund der historischen Vergangenheit der Stadt Hersbruck, der Gemeinden Happurg und Pommelsbrunn durch das KZ-Arbeitslager und der inzwischen vergangenen Zeit, ist es jetzt eine zentrale Aufgabe der Stadtgesellschaft, an diesen geschichtlichen Orten des Leidens und Verbrechens der Verpflichtung zur Menschlichkeit nachzukommen.

Angesichts der Tatsache, dass es nahezu keine Zeitzeugen mehr gibt, gilt es das Gedenken und seine Lehren, die Erkenntnisse und die Gedanken in die heutige Zeit zu überführen.

In Hersbruck soll nicht ausschließlich das Vergangene, sondern die gelebte Menschlichkeit im Vordergrund stehen. Um die Bevölkerung für diesen Diskurs und für die entsprechenden Aktivitäten zu interessieren und einzubeziehen, soll die Kunst die Brücke zwischen dem historischen Geschehen und den heutigen Aufgaben bilden. Denn Kunst vermag emotionale und visuelle Zugänge auch zu dem Thema Nationalsozialismus (damals und heute) zu eröffnen.

https://www.kz-hersbruck-info.de/event/eroeffnung-der-ausstellung/

Drei Künstlerinnen und Künstler sind mit ihren Arbeiten zu diesem Thema im Deutschen Hirtenmuseum Hersbruck vertreten:

Im Schaufenster des Museums zeigt die Künstlerin Sybille Fenzel die Arbeit „Das Gewand“:  „Nur ein Gewand, Tag und Nacht, Sommer wie Winter. Wonach mögen sich die Gefangenen gesehnt haben, was hätten sie gebraucht? Wie war es in dieser entsetzlichen Kälte? Die Zeilen haben mich veranlasst, eine Antwort auf dieses unablässige Frieren und die Sehnsucht nach Wärme zu suchen. In meinem Wettbewerbsbeitrag werden Drucke von Resten der gestreiften Häftlingskleidung und Rohwolle vom Schaf miteinander in Beziehung gesetzt.  Die Kälte wird mit Wärme beantwortet.“

https://www.kz-hersbruck-info.de/project/sybille-fenzel/

 

Auf der Sonderausstellungsebene finden Sie in Raum 2 die Künstlerin Brigitta Volz mit Ihrer Kunstinstallation: „Stumme Zeugen“: Ich werde ab 5. Mai 2022 einige Baumwurzeln auf dem Zufahrtsweg zur Gedenkstätte Schupf abdrucken, wo damals Hunderte von Häftlingen heimlich verbrannt wurden. Dabei werden von den Wurzeln eindringliche Bilddokumente zum Thema entstehen und die „stummen Zeugen” werden eine Stimme bekommen!“

https://www.kz-hersbruck-info.de/project/birgitta-volz/ 

 

Und zum anderen sehen Sie in Raum 1 „ERINNERUNGSSPUR“, ein Künstlerbuch von Woldemar Fuhrmann. Die Grundidee zu diesem Projekt war, Insassen aus dem Arbeitslager Hersbruck eine eigene Stimme zu geben, hier in einem illustrierten lyrischen Künstlerbuch. Da leider keine geeigneten Texte mit direktem Ortsbezug zu Hersbruck ausfindig gemacht werden konnten, wurden Fragmente bekannter Texte mit einem engen Bezug zu Arbeitslagern zugrunde gelegt: „Die Moorsoldaten“ (1933) ‚ein von Insassen des KZ Börgermoor komponiertes Lied sowie das Gedicht „Wolfsbohne“ (1959) von Paul Celan, der selbst Zwangsarbeit im Straßenbau leisten musste. Durchbrochene Notenblätter, in das Papier eingekerbte Schrift, sich auflösende Zeilen und welkende abgeschnittene Blumen legen in dem Buch eine Erinnerungspur zu einer zerbrochenen Zeit, in der hilflose Menschen in Arbeitslagern zu Tode gequält wurden. Das Buch im Format 48×68 cm wird zunächst in Form eines Bildblockes präsentiert, der die Abfolge der einzelnen Buchseiten zeigt und auch eine Realisierung mit anderen Medien als Papier zulässt. Dauerhafter Aufstellungsort kann beispielsweise ein Gebäude der öffentlichen Verwaltung auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitslagers in Hersbruck sein.

https://www.kz-hersbruck-info.de/project/woldemar-fuhrmann/           

 

Lesung am 22.5. um 17 Uhr im Hirtenmuseum

Chuzpe gegen das Vergessen und für die Zukunft“

Mit Eleonore Blaurock-Busch, Hans Jürgen Schulz und anderen.

Die Autoren zitieren aus ihrem Buch das für den Kunstwettbewerb der Dokustätte KZ-Hersbruck geschrieben wurde und in Kürze im Verlag Nürnberger Presse erscheinen wird.

Thema des Buches ist die Erinnerung an das Konzentrationslager Hersbruck und wie sich die Kriegs- und insbesondere die Nachkriegsgeneration dazu stellte. Zeitzeugen wie Irmingard Philipow berichten vom gezielten Wegsehen bis zum schmerzlichen Hinsehen, von den Ereignissen und Erlebnissen dieser Zeit und den Jahren danach und wie sich diese Epoche auf den heutigen Umgang und Freundschaften mit ‚andersartigen‘ Menschen fremder Kulturen auswirkt. Der ehemalige Häftling Samuel Brückner kommt im Buch zu Wort.

Mitwirkende an diesem Buch sind u.a. Erster Bürgermeister Robert Ilg, sowie der Ehrenbürger Hersbrucks Günter Beckstein, unsere kirchlichen Häupter Dekan Schäfer und Pfarrer Forster wie auch die Israelitische Gemeinde Nürnberg. Staatsinnenminister Herrmann meldete sich zu Wort. Für die Autoren und alle die an diesem Buchprojekt beteiligt waren, ist die Auseinandersetzung mit dem Gestern prägend für unser heutiges Handeln und unser morgiges Leben. Der unerwartete Ukrainekrieg erinnert daran.

Die Autoren hoffen auf einen regen Gedankenaustausch, hoffentlich bei schönem Wetter im Außenbereich des Hirtenmuseums.

https://www.kz-hersbruck-info.de/project/eleonore-blaurock-busch/

Filmvorführung am 22.05. um 18 Uhr im Hirtenmuseum

 „ERINNERUNG AN DAS JETZT“ – VIKTOR AMBRUSITS

Unser Film bezieht sich auf das folgende Zitat von Vittore Bocchetta:

„In der Nähe des Ortes, umschlossen von Stacheldraht, lag ein schlammiger Sumpf, wo der Tod, und nur der Tod, vom Leid des Daseins erlösen konnte. Heute erscheint hier ringsherum das tägliche Leben des zivilisierten Menschen völlig normal. Doch hier ereignete sich eine schändliche Tragödie. Möge man das Andenken daran niemals verbergen!“

„Ich hoffe, dass unser Kurzfilm dazu etwas beitragen kann“, sagt Viktor Ambrusits.

https://www.kz-hersbruck-info.de/event/filmpraesentation-von-viktor-amrusits/